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CD-Review Reinecke by Yves Kerbiriou

1909, année de la création d’Elektra et de la composition d’Erwartung est aussi celle où Carl Reinecke écrit son chant du cygne, la Ballade pour flûte et orchestre op. 288. Choquant ? Question de perspective, car s’il est vrai que l’importance du compositeur hambourgeois dans l’histoire de la musique ne peut le disputer ni à Strauss ni à Schönberg, il n’est pas interdit de se faire plaisir, un siècle plus tard, à l’écoute d’une musique qui puise ses racines chez Schumann et Mendelssohn. La pièce maîtresse de ce programme, qui, rassemble, sans constituer une intégrale, les principales œuvres pour flûte de Reinecke, souvent éparpillées par genre et mélangées à celles d’autres compositeurs, est la Sonate « Ondine », musique à thème - mais non à programme - inspirée par la ballade éponyme de La Motte-Fouqué. Elle permet à la talentueuse flûtiste Tatjana Ruhland de briller de mille feux, tant pas sa sensibilité que par sa maîtrise technique. Œuvre plus tardive, le Concerto vaut surtout par son mouvement lent, profondément belcantiste et d’une poignante mélancolie. Voilà qui vient démentir le qualificatif d’académique, trop souvent associé à la musique d’un classique profondément enraciné dans son siècle. (Yves Kerbiriou)

(6.9.2017)

Besprechung bei Klassik-Heute.com

Klassik-Heute.com

Die Faszination von sogenannten Lost Places ist ungebrochen. Verlassene Orte zeichnen sich zumeist durch eine gewisse Anziehungskraft aus, gilt es doch Geheimnisse längst vergangener Epochen zu entdecken. Ein bisschen verhält es sich auch mit dieser Aufnahme so, denn das Schaffen von Carl Reinecke ist in vielerlei Hinsicht ein Lost Place, ein vergessener Ort bzw. Komponist. Geboren 1824, musikalisch geprägt zu Hochzeiten Felix Mendelssohn Bartholdys und Robert Schumanns, die ihm auch musikalisch sehr nahe standen, und gestorben 1910, als Arnold Schönberg in expressionistischer Manier die Tonalität auflöste und kurz vor der Etablierung seiner zwölftönigen Kompositionsmethode stand.

Davon bekommt man im Schaffen Reineckes freilich nicht das Geringste mit. Das 1908 entstandene Flötenkonzert D-Dur (op. 283) etwa oder die als op. 288 Reineckes Werkkatalog abschließende Ballade für Flöte und Orchester – beide auf dieser CD zu hören – klingen so, als hätte sich die Musikgeschichte seit Mendelssohn und Schumann nie weiterentwickelt, 1908 wohlgemerkt! Schön und gediegen ist diese Musik natürlich trotzdem, auch wenn ihre Biedermeierlichkeit aus jeder Note trieft und das Flötenkonzert in seiner behäbigen Schwermütigkeit selbst Brahms in den Schatten zu stellen scheint.

Die musikalische Seite dieser Einspielung ficht das unterdessen nicht an. Die Flötistin Tatjana Ruhland spielt mit makelloser Tonschönheit und musikalischem Esprit. Da klingt alles überaus charmant und wie aus einem Guss, angefangen von den großen Spanungsbögen, die sie in vollendeter Weise spannt, bis hin zu den Details der musikalischen Gestaltung, etwa den Tempi. So mag gerade das Flötenkonzert mit seinen moderaten Tempi auf den ersten Blick insgesamt behäbig wirken, nimmt man jedoch die virtuosen Passagen als Maßstab, die Ruhland sowohl mit technischer Akkuratesse als auch nobel-unaufdringlicher Zurückhaltung absolviert, so wirkt alles in jeder Hinsicht stimmig und überzeugend. Das ist nicht zuletzt auch das Verdienst des RSO Stuttgart, das unter der Leitung von Alexander Liebreich, der Solistin nicht nur fabelhaft sekundiert, sondern sich mit seinem überaus gediegenen Spiel als in jeder Hinsicht erstklassiger musikalischer Partner erweist.

Auch auf dieser CD zu hören sind eine hübsche Sonatine für Flöte und Klavier sowie die Undine-Sonate op. 167, die Reinecke als Vertonung der Geschichte des gleichnamigen Fabelwesens konzipiert hat. Diese Sonate ist – mit Verlaub gesagt – ein echter Knaller. Zwar wächst Reinecke auch hier musikalisch wie stilistisch kaum über seine Grenzen hinaus, doch ist das musikalische Gesamtpaket von außerordentlicher Raffinesse und Schlüssigkeit. Die musikalische Dramatik des viersätzigen Werkes, angefangen vom idyllischen Wasser-Thema des ersten Satzes über das lyrisch-geheimnisvolle Andante bis hin zum aufgewühlten Finale mit seinem versöhnlichen Schluss erfährt durch Ruhland und ihren Klavierpartner Eckard Heiligers, der sich auch als Pianist des Trio Jean Paul einen Namen gemacht hat, eine grandiose, packende, ja geradezu hinreißende Wiedergabe. Dieses Stück ist wahrlich ein großer Wurf, als Werk an sich, aber auch in dieser Interpretation. Und es ist ein überzeugendes Plädoyer, den „Lost Place“ Reinecke neu zu entdecken.

Guido Krawinkel [07.08.2017]

Besprechung bei clicmusique/musicisthekey: Carl Reinecke : Œuvres pour flûte. Ruhland, Heiligers, Liebreich

Tatjana Ruhland, flûte
Eckart Heiligers, piano
Orchestre Symphonique de la SWR
Alexander Liebreich, direction

Tatjana Ruhland has been described as »the Paganini of the flute.« At the very latest since her debut at New York’s Carnegie Hall she has numbered among the most prominent artists performing on the flute. On the present program she dedicates herself to Carl Reinecke’s chamber and concertante flute compositions, all of which he composed during the second half of his life. Along with the Undine Sonata op. 167 for flute and piano, today his most frequently performed work, the recording features the two concertante works written by him when he was over eighty years old. Here the initial dominance of stylistic elements associated with Mendelssohn has yielded to a tonal language that is both electrifying and highly individual. Reinecke’s music is diatonic in design but so strongly pervaded by semitones and suspensions that it also continues to flow. The »build-up phase« of the concertante last movements is only one of the procedures hardly invented by Reinecke but very much loved by him.

(http://www.clicmusique.com/carl-reinecke-oeuvres-pour-flute-ruhland-heiligers-liebreich-p-99489.html ,4.8.2017)

"Attraktive Reinecke-CD"

Konzertante und kammermusikalische Flötenwerken von Carl Reinecke (1824-1910) stehen auf dem Programm dieser abwechslungsreichen CD.

Das Highlight des Programms ist das Flötenkonzert, dessen Rhetorik nicht nur von der virtuosen und volatilen Flöte der Solistin, sondern auch von dem einfühlsam mitgestaltenden Orchester geprägt wird. Alexander Liebreich nützt alle in der Partitur gegebenen Möglichkeiten zum Dialog und zum Dramatisieren des Konzerts, das selten so opulent gelungen hat wie in dieser Aufnahme.

Mit ihrem romantischen Grundton wird auch die Ballade, Reineckes letzte Komposition, in der Interpretation von Tatjana Ruhland und dem SWR Orchester unter Alexander Liebreich zu einem sehr attraktiven Stück, ein Eindruck, der bei diesem Gelegenheitswerk wirklich nicht immer entsteht.

In Reineckes bekanntester Komposition, der Undine-Sonate, und der ‘Sonatina’ begeistert Ruhland mit einem warmen Flötenton, einer immer wieder erstaunlichen Virtuosität und kunstvollen Phrasierungen. Sie wird in diesen sehr differenzierend angelegten Interpretationen von Eckart Heiligers bestens unterstützt.

Tatjana Ruhland is not only a technically skilled flautist, her playing is very expressive and rhetoric. In this mixed program, she has great partners with Eckart Heiligers on the piano and the conductor Alexander Liebreich who matches the rhetoric and dramatic qualities of the soloist. Under his baton, the orchestral part of the Concerto becomes truly opulent, and the casual Ballade is clearly upgraded, for once becoming an attractive composition.

 

https://www.pizzicato.lu/attraktive-reinecke-cd/

Rezension in Das Orchester (5/2017)

Ein eher ungewöhnliches Konzept, nur Werke von Bach und Penderecki für eine CD auszuwählen, bei näherer Betrachtung aber auch ein einleuchtendes. Kombiniert wurden vier zwischen 2009 und 2014 entstandene SWR-Produktionen von Flötenkompositionen, mit denen sich Tatjana Ruhland immer wieder intensiv beschäftigt hat. Besonders am Herzen liegt ihr Pendereckis Concerto per flauto ed orchestra da camera aus dem Jahr 1992, von dem es auch eine spätere Fassung für Klarinette und Orchester gibt. Damit konfrontiert werden Bachs Orchestersuite in h-Moll BWV 1067, die Partita für Flöte solo BWV 1013 und die C-Dur-Sonate BWV 1033, die hier, wie vom amerikanischen Musikwissenschaftler Robert Marshall angeregt, ebenfalls als Solostück zu hören ist. Um stilistisch angemessen zwischen den Epochen und Komponisten differenzieren zu können, spielt Tatjana Ruhland Bach auf einer Boehmflöte aus Holz und Penderecki auf einer Goldflöte.

Die h-Moll-Suite wird empfindsam, fast introvertiert gespielt, Dirigent Roger Norrington lässt die Musik ruhig ausschwingen. Die Flöte ist Orchester- und Soloinstrument, sie gibt dem Streicherklang Farbe und glänzt in den virtuosen Partien. Die Tonalität der Suite aufgreifend beginnt Pendereckis Konzert mit einem um h zentrierten Mo­tiv der Klarinette, dann erst kommt die Solo-Flöte dazu. Das abwechslungsreich besetzte Orchester ist immer aktiv beteiligt, z.B. mit einem rhythmischen Schlagabtausch zwischen Soloflöte und Rototoms (Tomtoms mit definierter Tonhöhe). Das einsätzige Werk ist mit komplexen Motivkombinationen dicht gearbeitet, konsequentes Denken in Stimmen verbindet es mit Bach. Es wurde 1993 uraufgeführt, dirigiert vom Komponisten und mit Jean-Pierre Rampal als Solisten. Ruhland gestaltet den Solopart virtuos und expressiv in präziser Interaktion mit dem von Alexander Liebreich geleiteten Orchester.
Im Vergleich zu den beiden Ensemblestücken lassen die solistischen Kompositionen natürlich mehr interpretatorische Freiheit zu. Beide nebeneinander zu hören, bietet aber Gelegenheit, über eigene Spielentscheidungen nachzudenken. Da Bachs Musik zeitlich gesehen überwiegt, könnte man aus Paritätsgründen vielleicht ein modernes Solostück vermissen. Das Konzert von Penderecki ist aber musikalisch und technisch derart intensiv und kraftvoll, dass die Balance auch so stimmt.
Die Begegnung der beiden Epochen, so die Idee der Beteiligten, sollte ein tieferes Verständnis der Werke ermöglichen und zeigen, wie Ausdrucksmöglichkeiten und Virtuosität der Querflöte über die Zeit zwar verschieden realisiert werden, grundsätzlich aber ähnlichen Gesetzen folgen. In diesem Sinn informiert auch das Booklet ausführlich über Werke und Interpreten. Obwohl die Anschaffung der CD sich schon allein wegen Penderecki lohnen würde, so hat die Entscheidung, Bach auf der modernen Flöte zu spielen, heute durchaus wieder ihre Berechtigung.
Ursula Pešek

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