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CD-Besprechung auf Klassik-Heute.de
…Koechlins Kompositionen sind von einer großen Weite und Verträumtheit. Tatjana Ruhland überzeugt mit einem vollen und klangschönen Flötenton, der sich besonders im Dialog mit ihren Musikern als sehr eigenständig etablieren kann. Eine echte Ergänzung im hauseigenen Plattenschrank ist diese CD auf jeden Fall. Werke, die man sonst kaum zu hören bekommt, ein glänzend aufgelegtes Ensemble und dazu noch eine klare Aufnahme – da kann man einfach nicht meckern. Toll. Ganzen Artikel lesen…
CD-Besprechung auf Klassik.com
…gewiß wäre Koechlin über die Maßen erfreut gewesen, hätte er seine Werke in den vollendeten Interpretationen der Flötistin Tatjana Ruhland hören dürfen. Eine Musikerin aus Deutschland, in München und New York ausgebildet, die sich unverkennbar in dieser durch und durch französischen Musik zu Hause fühlt und mit Eleganz, verhaltener Expressivität und aparter, farbenreicher Tonschönheit unfehlbar den Charakter der erlesenen Miniaturen trifft, der Suiten, Sonaten, Divertissements und Nocturnes, in denen Koechlin seine Hörer verzaubert. Tatjana Ruhland, Soloflötistin des RSO Stuttgart, erweist durch diese intelligente, unaufdringliche Kunst dem Komponisten Koechlin die größte Ehre. Ganzen Artikel lesen…
Für den Festspielsommer von 25.7. bis 28.8.09 in Bayreuth wurde Tatjana Ruhland als Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters eingeladen.
Auf dem Programm standen Meistersinger, Parsifal, Tristan und der Ring von Richard Wagner unter der Leitung von Christian Thielemann, Peter Schneider, Daniele Gatti und Sebastian Weigle.
www.bayreuther-festspiele.de
Bei der Sendung zibb des RBB Potsdam hat Tatjana Ruhland am 23.3.2009 als Interview-Gast Ihre CD „La Joueuse de flûte“ präsentiert.
Der Mitschnitt eines aktuellen Konzerts des RSO Stuttgart unter Leitung seines Chefdirigenten Sir Roger Norrington aus Anlass dessen 75ten Geburtstages wird am 22.3.2009 um 9.15h im SWR Fernsehen übertragen.
Auf dem Programm stehen Werke von Brahms, Beethoven, Mozart, Elgar, Händel und anderen.
Dieser Artikel erschien am 4.September 2002 im Musikfest-Journal, einem Sonderdruck der Stuttgarter Zeitung zum Europäischen Musikfest Stuttgart
Fragen an...
Tatjana Ruhland, Flötistin
Wie groß ist die Belastung des Orchesters, wenn Sie innerhalb von zwei Wochen alle Symphonien Beethovens aufführen?
Alle neun Symphonien hintereinander in so kurzer Zeit zu spielen, ist natürlich ein großes und für jeden einzelnen auch anstrengendes Projekt. Ich selbst spiele zum Beispiel die Symphonien 1-8. In der Abo- Saison habe ich nur die fünfte und die neunte Symphonie gespielt, alle anderen Stücke sind für mich jetzt neu. Da wird schon einiges verlangt. Aber es ist eine tolle Gelegenheit, die Werke wie nach einem musikgeschichtlichen Fahrplan aufzuführen. Nicht nur für das Publikum, auch für uns Musiker ist das sehr spannend. Ich genieße es, auch wenn man nach den Proben völlig gestresst nach Hause geht.
Auf welche Besonderheiten müssen Sie sich als Flötistin in den Norrington-Interpretationen der Symphonien einstellen?
Es ist wunderbar, Roger Norrington zu unterstützen in seinen interpretatorischen Ideen. Die Tatsache, dass wir teilweise auf "semihistorischen" Instrumenten spielen, macht großen Spaß. Ich spiele auf einer Holzflöte mit Klappensystem. Ein Instrument dieser Art gab es zwar noch nicht zur Beethovenzeit, aber ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auf solchen Flöten gespielt. Die moderne Silber- oder Goldflöte kennt man ja erst seit Debussy und Ravel. Für die Beethoven- Symphonien ist der etwas rauere, ungekünstelte Klang dieser Holzflöte besonders geeignet. Allgemein kann man über die Arbeit Norringtons sagen, dass im Mittelpunkt der Interpretation immer die erzählerische Idee steht, das "story-telling". Seine Arbeit mit dem Orchester an der Musik ist eine sehr menschliche. Die Geschichte, die wir erzählen, soll aus einem Guss sein. Aber trotzdem gibt es bei Beethoven natürlich immer auch die Extreme, die die Erwartung des Hörers nicht erfüllen. Beethoven schreibt zwar Musik seiner Zeit, will aber mit ihr schockieren. Das macht seine Persönlichkeit aus.
Im Rahmen des Musikfestes wird das RSO Stuttgart während der Proben und bei den Klangbeispielen im Konzert von Stipendiaten des Dirigiermeisterkurses Roger Norringtons geleitet. Wie beurteilen Sie dieses Projekt?
Die Tatsache finden wir im Orchester interessant. Es ist spannend zu beobachten, was man eigentlich alles braucht, um ein Dirigent zu sein. Man ist ja als Dirigent viel nackter als als Orchestermusiker. Im Orchester achten wir sehr genau darauf, was in der Mimik und Gestik der Stipendiaten passiert und versuchen, darauf bestmöglich zu reagieren. Das heißt aber auch für die Dirigenten: "Seid vorsichtig, denn wir machen genau das, was ihr zeigt." Und das kann dann hin und wieder für den Dirigenten auch schockierend sein. Generell halte ich es für ungemein wichtig, solche Kurse zu veranstalten, denn die Dirigenten haben ja normalerweise viel zu wenig Möglichkeit, auf ihrem "Instrument" zu üben. Ihr Instrument ist nun einmal das Orchester. Wir haben es da viel besser, wir können jederzeit üben.
Im Festival Orchester des Musikfestes spielen junge Musiker zwischen 18 und 28 Jahren, die alle einmal in einem Orchester als Berufsmusiker spielen wollen. Was können Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung den jungen "Kollegen" mit auf den Weg geben?
Man sollte sich dessen bewußt sein, wie viele Qualitäten man als Musiker mitbringen muss. Das ist viel mehr als gut spielen zu können. Spielen ist wichtig, aber das tägliche Miteinander, die Zusammenarbeit mit den Kollegen, ist mindestens ebenso wichtig. Man darf sich zum Beispiel nicht darauf versteifen, was man gelernt hat, sondern muss im Orchester von den Kollegen noch täglich lernen. Jeder einzelne ist dafür verantwortlich, zum Gelingen beizutragen: mit Konzentration, Sensibilität auch über´s musikalische Material hinaus. Wichtig ist es, den richtigen - auch außermusikalischen - Ton zu bewahren. Als Musiker sind wir nur dann glaubwürdig, wenn der Anspruch da ist, Gültigkeit zu erzeugen. Denn wir sind ja unser Leben lang Musiker, nicht nur für ein Konzert.
Hatten Sie bisher schon Gelegenheit, andere Veranstaltungen des Musikfestes zu besuchen?
Am Samstag habe ich die Camerata Salzburg gehört. Da hatte ich den Eindruck, dass da eine ähnliche Idee hinter der Interpretation stand wie bei uns: der entschlackte Klang, die durchsichtige Struktur. Das ging dann vielleicht einmal auf Kosten des Klangflusses, aber man hat gemerkt, es war etwas Besonderes. Und das ist entscheidend. Wir müssen in der Musik nicht immer mit Gewalt anders sein, um gut zu sein. Aber wir sollten versuchen, immer etwas Einzigartiges zuschaffen. Es gibt so viele hervorragende Musiker auf der Welt und alle müssen sich bemühen, ständig auf´s Neue gute Musik zu machen. Während des Musikfestes will ich mir auf jeden Fall noch die Ausstellungen anschauen.
Das Gespräch führte Johannes Beckmann
Tatjana Ruhland ist seit 2000 Solo-Flötistin des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR.