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Tatjana Ruhland & August Eberhard Müller

Nach ihrer bei cpo erschienenen CD mit den Flötenwerken Carl Reineckes, die gerade mit dem OPUS KLASSIK 2018 als Konzerteinspielung des Jahres ausgezeichnet wurde, beschrieben die Rezensenten Tatjana Ruhland als „Spitzenklasse ihrer Zunft“ und „virtuose und bewegliche Flötistin“ mit „warmem Ton voller Gestaltungsintensität.“ Auf ihrer neuen cpo-CD widmet sie sich drei der Flötenkonzerte von August Eberhard Müller, der von Beethoven als Künstler geachtet, von Goethe als Musikexperte geschätzt, von zeitgenössischen Lexikographen als Komponist und als Interpret auf Flöte, Klavier und Orgel gerühmt und von Friedrich Rochlitz, dem Gründungsherausgeber der Allgemeinen musikalischen Zeitung, als Komponist bezeichnet wurde, dessen Werke „von entschiedenem, bleibendem Werth“ seien.. Ebenso mangelte es dem Komponisten nicht an renommierten Ämtern, war er doch von 1804 bis 1810 als vierter Nachfolger von Johann Sebastian Bach Kantor an der Thomaskirche zu Leipzig und von 1810 bis zu seinem Tod als Hofkapellmeister im Musensitz Weimar tätig. Müllers insgesamt elf Flötenkonzerte wurden zwischen 1794 und 1816 publiziert, zwei Einzelstücke für Flöte und Orchester erschienen 1804 und 1817. Müller beschäftigte sich also während seiner aktiven Zeit als Komponist durchgehend mit dieser Gattung bzw. Besetzung, und dass er ein großer Verehrer Mozarts war, ist seinen Flötenkonzerten unschwer anzumerken.

Tiefgründig, virtuos, preisgekrönt.

Tatjana Ruhlands kürzlich erschienene, von den Kritikern hochgelobte Aufnahme von Werken Carl Reineckes mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart wurde als Konzerteinspielung des Jahres ausgezeichnet mit dem OPUS KLASSIK 2018.

Mehr lesen lesen Sie im angehängten Flyer

Sometimes it isn’t the music so much as the performer.

The music is by Carl Reinecke, whose legacy lives on more through his pupils than his music. During his academic career, he taught Edvard Grieg, Leoš Janácek, Isaac Albéniz, Felix Weingartner, and Max Bruch, to name but a few. Of all his 300+ compositions, he’s best remembered for only one — his flute sonata “Undine.”

Reinecke himself studied at various times with Felix Mendelssohn, Robert Schumann, and Franz Liszt. It’s easy to hear the influences of all three in his work. Reinecke was a more than a competent composer. He simply had the misfortune of being very good while being surrounded by greatness.

Tatjana Ruhland brings out the best in Reinecke’s music. Her committed performances and flawless technique made me want to seek out more of Reinecke’s oeuvre. Ruhland plays with a velvety tone that can turn to cold steel when necessary. The flute sonata “Undine” has been recorded many times, but Ruhland makes it sound like a new work.

The Flute Concerto in D major is another high point of the release. This is Reinecke-as-Mendelssohn, and Ruhland’s playful interpretation adds to the fun. Ruhland is also the solo flutist for the ensemble that accompanies her. That relationship seems to give the concerto and the Ballade in D minor some additional chemistry.

Truly great performances of some very good music.

Carl Reinecke: Flute Concertos, Flute Sonatas
Tatjana Ruhland, flute
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR; Alexander Liebreich, conductor
CPO 777 949-2

CD-Review Reinecke by Yves Kerbiriou

1909, année de la création d’Elektra et de la composition d’Erwartung est aussi celle où Carl Reinecke écrit son chant du cygne, la Ballade pour flûte et orchestre op. 288. Choquant ? Question de perspective, car s’il est vrai que l’importance du compositeur hambourgeois dans l’histoire de la musique ne peut le disputer ni à Strauss ni à Schönberg, il n’est pas interdit de se faire plaisir, un siècle plus tard, à l’écoute d’une musique qui puise ses racines chez Schumann et Mendelssohn. La pièce maîtresse de ce programme, qui, rassemble, sans constituer une intégrale, les principales œuvres pour flûte de Reinecke, souvent éparpillées par genre et mélangées à celles d’autres compositeurs, est la Sonate « Ondine », musique à thème - mais non à programme - inspirée par la ballade éponyme de La Motte-Fouqué. Elle permet à la talentueuse flûtiste Tatjana Ruhland de briller de mille feux, tant pas sa sensibilité que par sa maîtrise technique. Œuvre plus tardive, le Concerto vaut surtout par son mouvement lent, profondément belcantiste et d’une poignante mélancolie. Voilà qui vient démentir le qualificatif d’académique, trop souvent associé à la musique d’un classique profondément enraciné dans son siècle. (Yves Kerbiriou)

(6.9.2017)

Besprechung bei Klassik-Heute.com

Klassik-Heute.com

Die Faszination von sogenannten Lost Places ist ungebrochen. Verlassene Orte zeichnen sich zumeist durch eine gewisse Anziehungskraft aus, gilt es doch Geheimnisse längst vergangener Epochen zu entdecken. Ein bisschen verhält es sich auch mit dieser Aufnahme so, denn das Schaffen von Carl Reinecke ist in vielerlei Hinsicht ein Lost Place, ein vergessener Ort bzw. Komponist. Geboren 1824, musikalisch geprägt zu Hochzeiten Felix Mendelssohn Bartholdys und Robert Schumanns, die ihm auch musikalisch sehr nahe standen, und gestorben 1910, als Arnold Schönberg in expressionistischer Manier die Tonalität auflöste und kurz vor der Etablierung seiner zwölftönigen Kompositionsmethode stand.

Davon bekommt man im Schaffen Reineckes freilich nicht das Geringste mit. Das 1908 entstandene Flötenkonzert D-Dur (op. 283) etwa oder die als op. 288 Reineckes Werkkatalog abschließende Ballade für Flöte und Orchester – beide auf dieser CD zu hören – klingen so, als hätte sich die Musikgeschichte seit Mendelssohn und Schumann nie weiterentwickelt, 1908 wohlgemerkt! Schön und gediegen ist diese Musik natürlich trotzdem, auch wenn ihre Biedermeierlichkeit aus jeder Note trieft und das Flötenkonzert in seiner behäbigen Schwermütigkeit selbst Brahms in den Schatten zu stellen scheint.

Die musikalische Seite dieser Einspielung ficht das unterdessen nicht an. Die Flötistin Tatjana Ruhland spielt mit makelloser Tonschönheit und musikalischem Esprit. Da klingt alles überaus charmant und wie aus einem Guss, angefangen von den großen Spanungsbögen, die sie in vollendeter Weise spannt, bis hin zu den Details der musikalischen Gestaltung, etwa den Tempi. So mag gerade das Flötenkonzert mit seinen moderaten Tempi auf den ersten Blick insgesamt behäbig wirken, nimmt man jedoch die virtuosen Passagen als Maßstab, die Ruhland sowohl mit technischer Akkuratesse als auch nobel-unaufdringlicher Zurückhaltung absolviert, so wirkt alles in jeder Hinsicht stimmig und überzeugend. Das ist nicht zuletzt auch das Verdienst des RSO Stuttgart, das unter der Leitung von Alexander Liebreich, der Solistin nicht nur fabelhaft sekundiert, sondern sich mit seinem überaus gediegenen Spiel als in jeder Hinsicht erstklassiger musikalischer Partner erweist.

Auch auf dieser CD zu hören sind eine hübsche Sonatine für Flöte und Klavier sowie die Undine-Sonate op. 167, die Reinecke als Vertonung der Geschichte des gleichnamigen Fabelwesens konzipiert hat. Diese Sonate ist – mit Verlaub gesagt – ein echter Knaller. Zwar wächst Reinecke auch hier musikalisch wie stilistisch kaum über seine Grenzen hinaus, doch ist das musikalische Gesamtpaket von außerordentlicher Raffinesse und Schlüssigkeit. Die musikalische Dramatik des viersätzigen Werkes, angefangen vom idyllischen Wasser-Thema des ersten Satzes über das lyrisch-geheimnisvolle Andante bis hin zum aufgewühlten Finale mit seinem versöhnlichen Schluss erfährt durch Ruhland und ihren Klavierpartner Eckard Heiligers, der sich auch als Pianist des Trio Jean Paul einen Namen gemacht hat, eine grandiose, packende, ja geradezu hinreißende Wiedergabe. Dieses Stück ist wahrlich ein großer Wurf, als Werk an sich, aber auch in dieser Interpretation. Und es ist ein überzeugendes Plädoyer, den „Lost Place“ Reinecke neu zu entdecken.

Guido Krawinkel [07.08.2017]

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